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20. Juni 2026

Leserbrief an Münchener Merkur

Leserbrief zum Artikel „Internat in Ettal soll Alpenakademie werden“

Mit großem Interesse haben wir Ihren Bericht über die Zukunftspläne des Klosters Ettal gelesen. Die Diskussion über eine Alpenakademie verdient Aufmerksamkeit, denn sie berührt eine zentrale Frage unserer Zeit: Wie können Tradition, Bildung und kulturelle Verantwortung in einer sich rasch wandelnden Welt neu miteinander verbunden werden?

Umso mehr freut es uns, dass ein Gedanke öffentliche Resonanz findet, mit dem sich die James Loeb Gesellschaft bereits seit mehreren Jahren intensiv beschäftigt. Als sich abzeichnete, dass das Ettaler Internat vor tiefgreifenden Veränderungen stehen würde, entstand innerhalb unserer Gesellschaft die Idee einer Alpenakademie, die das geistige Erbe des Klosters mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts verbinden könnte.

Im Jahr 2022 wurde die European Alpine Academy ins Leben gerufen. Seitdem wurden in mehreren Akademien grundlegende Fragen erörtert: Welche Rolle können die Alpen als europäischer Kulturraum spielen? Wie lassen sich Humanismus, Nachhaltigkeit, Wissenschaft und kulturelle Identität miteinander verbinden? Welche Partner aus Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft können zu einem solchen Projekt beitragen?

Dabei entstand ein Netzwerk, das heute Partner aus Deutschland, Österreich, Italien, Griechenland, Dänemark, Schweden und den USA umfasst. Zu den Unterstützern zählen Vertreter von Universitäten, Museen, Kulturinstitutionen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die bisherigen Erfahrungen haben uns zu einer klaren Erkenntnis geführt: Eine Alpenakademie kann langfristig nur dann erfolgreich sein, wenn sie über regionale Grenzen hinaus als europäisches Projekt gedacht wird.

Gerade das Kloster Ettal wäre aufgrund seiner Geschichte, seiner Lage im Alpenraum und seiner kulturellen Ausstrahlung ein idealer Ort für eine solche Initiative. Die Alpen waren seit Jahrhunderten ein Raum des Austauschs zwischen Nord und Süd. Diese europäische Dimension könnte auch für die Zukunft des Bildungsstandortes Ettal von entscheidender Bedeutung sein.

Wir begrüßen deshalb ausdrücklich die aktuellen Bemühungen, neue Perspektiven für Schule und Kloster zu entwickeln. Gleichzeitig möchten wir darauf hinweisen, dass bereits wertvolle Vorarbeiten, Erfahrungen und internationale Kontakte vorhanden sind, die in diesen Prozess eingebracht werden könnten.

Die Herausforderungen für Ettal sind groß. Die Chancen sind es ebenso. Vielleicht liegt die Zukunft tatsächlich in einer Alpenakademie, die regionale Verwurzelung mit europäischer Offenheit verbindet.

Prof. Dr. Hans-Peter Söder

Vorsitzender der James Loeb Gesellschaft e. V.

Über die James Loeb Gesellschaft

Die James Loeb Gesellschaft e. V. (https://www.jamesloeb.de/de/home) widmet sich der Erforschung und Vermittlung des Lebenswerks von James Loeb (1867–1933), des bedeutenden deutsch-amerikanischen Humanisten, Mäzens und Kunstförderers. Die Gesellschaft engagiert sich für Bildung, Kultur, Wissenschaft und den Erhalt des humanistischen Erbes im Blauen Land und darüber hinaus.