Die Villa Loeb in München
Ein Haus zwischen Antike und Moderne


Ein neues Leben in Europa
München wurde für James Loeb nach seinem Abschied vom Bankgeschäft zu einer neuen Heimat. Hier fand er ein kulturelles und wissenschaftliches Umfeld, das seinen Interessen entsprach, hier pflegte er Freundschaften und hier setzte er wesentliche Teile seines philanthropischen Engagements fort. Sichtbares Zeugnis dieser Münchner Jahre ist bis heute die Villa Loeb in der Maria-Josepha-Straße 8 in Schwabing.
1906 ließ sich James Loeb in München nieder. Zunächst wohnte er in der Rumfordstraße 33. Wenige Jahre später erwarb er in Schwabing das Anwesen des 1907 verstorbenen Archäologen Adolf Furtwängler, der Loeb beim Aufbau seiner bedeutenden Antikensammlung beraten hatte.
Mit der Planung seines neuen Wohnhauses beauftragte Loeb seinen Freund Carl Sattler. Der Münchner Architekt entwarf für ihn eine großzügige Villa, die 1910 bis 1912 entstand. Das Haus in unmittelbarer Nähe zum Englischen Garten wurde zum Mittelpunkt von Loebs Münchner Leben.
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Ein Haus für Kunst und geistigen Austausch
Die Villa war weit mehr als ein repräsentativer Wohnsitz. Sie bot Loeb Raum für seine Kunstsammlung und seine Bücher und wurde zu einem Ort des Austauschs mit Wissenschaftlern, Künstlern und Freunden.
Das entsprach seinem Lebensentwurf nach dem Ausscheiden aus dem Bankgeschäft. Wirtschaftlicher Erfolg war für Loeb kein Selbstzweck. Die Freiheit, die ihm sein Vermögen verschaffte, nutzte er, um sich intensiv mit Kunst, Literatur, Musik und der klassischen Antike zu beschäftigen und zugleich wissenschaftliche und soziale Projekte zu fördern.
München bot dafür ein ideales Umfeld. Die Stadt gehörte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den bedeutenden europäischen Zentren von Kunst und Wissenschaft. Loeb knüpfte hier zahlreiche Verbindungen, die sein weiteres Leben und sein Mäzenatentum prägten.

München und das Blaue Land
Doch neben der Großstadt entdeckte James Loeb bald eine zweite Welt für sich. Bei seinen Aufenthalten im bayerischen Oberland lernte er Murnau und die Landschaft am Staffelsee kennen. Auch dort beauftragte er Carl Sattler mit dem Bau eines Hauses: dem Landhaus Hochried.
Zunächst lebte Loeb zwischen beiden Orten. München stand für Wissenschaft, Kultur und gesellschaftliche Kontakte, Hochried zunehmend für Ruhe, Natur und Rückzug. Nach seiner Heirat mit Marie Antonie Hambuechen im Jahr 1921 verlagerte sich sein Lebensmittelpunkt immer stärker nach Murnau.
Beide Häuser erzählen deshalb unterschiedliche Seiten desselben Menschen. Die Villa in München steht für Loebs intensive Verbindung mit dem geistigen und wissenschaftlichen Leben der Stadt. Hochried wurde zu seinem persönlichen Rückzugsort und schließlich zu seiner eigentlichen Heimat in Bayern.

Die Villa Loeb heute
Das Gebäude in der Maria-Josepha-Straße 8 ist erhalten. Seit 1990 erinnert eine Gedenktafel an James Loeb und damit an einen Mann, dessen Wirken weit über die Mauern seines Hauses hinausreichte.
Die Villa ist ein steinernes Zeugnis jener Jahre, in denen James Loeb in Bayern ein neues Leben begann. Von München und später von Murnau aus entwickelte er ein außergewöhnliches Mäzenatentum, dessen Spuren in Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft bis heute sichtbar sind.
