Die Vita von James Loeb
James Loebs Lebensweg führte von New York und Harvard über die internationale Finanzwelt nach München und schließlich nach Murnau. Aus dem erfolgreichen Bankier wurde ein leidenschaftlicher Sammler, Humanist und Mäzen, der sein Vermögen in den Dienst von Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft stellte. Die wichtigsten Stationen seines Lebens zeigen, wie aus persönlichen Interessen und Überzeugungen ein Vermächtnis entstand, das bis heute fortwirkt.
1867
James Loeb wird am 6. August in New York als Sohn von Solomon Loeb und Betty Loeb, geb. Gallenberg, geboren.
1884–1888
Studium an der Harvard University. Neben anderen Fächern beschäftigt er sich intensiv mit den klassischen Altertumswissenschaften.
1888
Abschluss in Harvard. Anschließend Eintritt in das Bankhaus Kuhn, Loeb & Co., das sein Vater Solomon Loeb mit aufgebaut hatte.
1890er Jahre
Tätigkeit als Bankier in New York. Gleichzeitig wachsen seine Interessen an Musik, Kunst, Literatur und klassischer Antike.
1901/1902
Loeb zieht sich aus dem aktiven Bankgeschäft zurück. Damit beginnt ein neuer Lebensabschnitt, den er zunehmend seinen kulturellen, wissenschaftlichen und sozialen Interessen widmet.
1902
Übersiedlung nach München. Loeb findet hier Anschluss an das kulturelle und wissenschaftliche Leben der Stadt.
ab 1902
Intensiver Aufbau seiner bedeutenden Antikensammlung. Der Archäologe Adolf Furtwängler wird zu einem wichtigen wissenschaftlichen Berater und Freund.
1905
Loeb lässt sich dauerhaft in Europa nieder und lebt vor allem in München.
ab 1907
Aufenthalte in Murnau und Hochried. Die Landschaft und das kulturelle Umfeld des Blauen Landes werden zu einem wichtigen Teil seines Lebens.
1908
Nach dem Tod Adolf Furtwänglers erwirbt Loeb dessen Münchner Haus sowie Teile seiner wissenschaftlichen Bibliothek und seines Nachlasses.
1909
Gründung der Maximiliansanstalt für psychisch Kranke in München, deren Aufbau Loeb maßgeblich finanziell unterstützt. Daraus entwickelt sich später das Max-Planck-Institut für Psychiatrie.
1911
Gründung der Loeb Classical Library. Griechische und lateinische Klassiker erscheinen im Original mit gegenüberliegender englischer Übersetzung.
Bau seines Landhauses in Hochried bei Murnau, das zunehmend zu seinem Lebensmittelpunkt wird.
ab 1912
Loeb lebt regelmäßig beziehungsweise überwiegend in Hochried und widmet sich seiner Sammlung, seinen wissenschaftlichen Interessen und zahlreichen philanthropischen Projekten.
1912
Die ersten Bände der Loeb Classical Library erscheinen. Die Reihe entwickelt sich zu Loebs bedeutendstem internationalen Bildungsprojekt.
1913
Loeb schenkt einen bedeutenden Teil seiner Antikensammlung der Staatlichen Antikensammlung in München. Weitere Schenkungen folgen.
1914–1918
Während des Ersten Weltkriegs engagiert sich Loeb für humanitäre und soziale Zwecke. Als Amerikaner mit deutschen Wurzeln erlebt er den Krieg zugleich als persönliche Zerreißprobe.
1917
Virginia Woolf würdigt die Loeb Classical Library im Times Literary Supplement als ein „gift of freedom“, ein „Geschenk der Freiheit“.
1920er Jahre
Fortsetzung seines umfangreichen Mäzenatentums in Deutschland und den USA. Loeb unterstützt wissenschaftliche, soziale, medizinische und kulturelle Einrichtungen.
1925
Heirat mit Marie Antonie Hambuechen.
1920er/1930er Jahre
Hochried wird zum Mittelpunkt von Loebs zurückgezogenem, aber geistig und gesellschaftlich weiterhin sehr aktivem Leben.
1933
James Loeb stirbt am 27. Mai 1933 in Murnau. Er wird in Hochried gemeinsam mit seiner Frau Marie Antonie beigesetzt.
ab 1933
Sein Vermächtnis wirkt weiter. Die Loeb Classical Library geht entsprechend seinen testamentarischen Bestimmungen an die Harvard University.
1934
Harvard University übernimmt die Verantwortung für die weitere Herausgabe und Entwicklung der Loeb Classical Library.
bis heute
Die Loeb Classical Library, seine Förderung von Wissenschaft und Medizin, seine Antikensammlung sowie sein Wirken in München und Murnau bewahren das Vermächtnis James Loebs.
