Die Grabstätte von James Loeb und Marie Antonie Loeb
Ein Ort der Erinnerung, der bis heute Geschichten erzählt
Ein Erinnerungsort voller Rätsel
Die Grabstätte von James Loeb (1867–1933) und seiner Ehefrau Marie Antonie Loeb (1864–1933) zählt zu den stillen Erinnerungsorten Murnaus. Sie befindet sich westlich von Hochried am Marie-Antonien-Weg auf einer Anhöhe mit weitem Blick über das Estergebirge. Hier erinnert ein außergewöhnlicher Gedenkstein mit einer kunstvoll gestalteten Sonnenuhr an das Ehepaar.
Für die James Loeb Gesellschaft besitzt dieser Ort eine besondere Bedeutung. Die internationalen Loeb-Konferenzen zur Förderung der Loeb Classical Library Foundation an der Harvard University beginnen traditionell mit einem Besuch des ehemaligen Landhauses James Loebs in Hochried und führen anschließend zur Grabstätte.
Bis heute wirft die Grabstätte mehrere Fragen auf, die bislang nicht abschließend beantwortet werden konnten.
- Warum wurden James und Marie Antonie Loeb außerhalb ihres Anwesens bestattet?
- Wer entwarf den Gedenkstein mit Sonnenuhr?
- Von wem stammt die poetische Inschrift?

Der Gedenkstein
Der aus Tuffstein gefertigte Gedenkstein trägt die Lebensdaten des Ehepaares.
Marie Antonie Loeb
13. Juli 1864 bis 28. Januar 1933
James Loeb
6. August 1867 bis 27. Mai 1933
Den oberen Abschluss bildet eine quadratische Metallplatte in Form einer Sonnenuhr, deren Polstab den Lauf der Sonne sichtbar macht.


Die Sonnenuhr
Die Sonnenuhr trägt eine umlaufende Inschrift, die den Charakter des Erinnerungsortes besonders eindrucksvoll zum Ausdruck bringt: „Sonne, die im Leben Du Freude uns gespendet, über unserer Asche nun zeige jenen, die noch an uns denken, die Stunden, wie sie entfliehn.“ Die Verbindung von Zeit, Vergänglichkeit und Erinnerung macht die Sonnenuhr zu einem außergewöhnlichen Denkmal.
Im Rahmen eines Vortrags des Historischen Vereins Murnau erläuterte der Sonnenuhrenexperte Dr. Dieter Birmann, dass jede Sonnenuhr individuell für ihren Standort berechnet werden muss. „Sonnenuhren dienen nicht nur der Zeitmessung, sondern sind zugleich Ausdruck ihrer Zeit und ihrer Architektur. Jede Sonnenuhr ist ein Unikat, das speziell für seinen Standort berechnet und gefertigt wird.”
Nachdem der Polstab der Sonnenuhr durch Vandalismus beschädigt worden war, berechnete Dr. Birmann dessen exakte Rekonstruktion. Nur dadurch konnte die Sonnenuhr wieder ihre ursprüngliche Funktion erfüllen.
Die Tuffbank
Östlich des Gedenksteins befindet sich eine geschwungene Sitzbank aus Tuffstein mit einer ursprünglich eichenen Holzauflage.
Eine nahezu identische Bank befindet sich im Besitz der Familie Asam in Murnau und steht heute an einem Aussichtspunkt. Wer beide Bänke entworfen oder gefertigt hat, ist bislang unbekannt.

Vor der internationalen Loeb-Konferenz im Juni 2019 wurde die Grabstätte umfassend restauriert.
Dabei wurden
- der nach historischen Berechnungen rekonstruierte Polstab der Sonnenuhr montiert,
- die hölzerne Sitzfläche der Tuffbank erneuert und
- kleinere Schäden am Ensemble beseitigt.
Seitdem präsentiert sich die Grabstätte wieder in einem würdigen Zustand.
Die James Loeb Gesellschaft hat der Marktgemeinde Murnau angeboten, die langfristige Pflege der Grabstätte zu übernehmen. Ziel ist es, diesen besonderen Erinnerungsort dauerhaft zu erhalten und das Andenken an James Loeb und sein Wirken für Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft lebendig zu halten.
Neue Erkenntnisse aus dem Marktarchiv
Die Leiterin des Marktarchivs Murnau, Dr. Marion Hruschka, konnte bislang lediglich zwei historische Dokumente zur Grabstätte nachweisen.
Zum einen existiert ein Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 1933, in dem die Errichtung einer Begräbnisstätte für die Urnen von James und Marie Antonie Loeb in Hochried genehmigt wird.
Zum anderen findet sich eine Karteikarte mit einem bis heute ungeklärten Hinweis: Danach soll der spätere Besitzer des Anwesens die Urnen Jahre später heimlich ausgegraben, die Schmuckelemente entfernt und die Asche an einem unbekannten Ort erneut beigesetzt haben. Für diese Überlieferung existieren bislang jedoch keine weiteren Belege.
Die Geschichte der Grabstätte ist noch nicht vollständig erzählt. Die James Loeb Gesellschaft freut sich über Hinweise zur Entstehung des Gedenksteins, zur Sonnenuhr, zur Herkunft der Inschrift oder zu den beteiligten Künstlern und Handwerkern.
